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ATERNATIVE SCHULFORMEN- die Systeme außerhalb des Systems

Aktualisiert: 8. Jan. 2023

Dieser Blog recycelt zwei Essays aus meinem Pädagogik-Studium.

Ich bin in meinem Lehramtstudium für Grund-/ Mittelstufe oft mit dem Schulsystem konfrontiert worden, da es letztlich das Medium sein würde, indem ich als Pädagigin arbeite.

Meine Zweifel an dem heutigen Schulsystem wurden dadurch nicht leiser, ganz im Gegenteil. Meine Neugierde, ob es Alternativen zu dem Schulsystem gibt, wurde immer lauter. Bei Prof. Dr. Osburg bin ich fündig geworden und durfte die Erkenntnisse anhand von einem Essays festhalten.


Hier ist ein persönlicher Einblick in alternative Schulsysteme in Deutschland.


Maria Montessori - Die Reformpädagogin des 1900


Die Reformpädagogin Maria Montessori hat mich schon zu Beginn meines Studiums sehr interessiert. Unter anderem lag es daran, dass sie als erste Frau in Italien Medizin promovierte und sich folgend der pädagogischen Maßnahmen für entwicklungsverzögerte Kinder annahm (vgl. Osburg/Ada, 2017, S.9.). Maria war international bekannt und hat ihr alternatives Schulkonzept weltweit etablieren können.


In Ihrer „Casa dei Bambini“ (vgl. Osburg/Ada, 2017, S. 10) übernahm sie die bereits entwickelten Materialien, wertete sie kindergerecht auf und machte sie für Kinder aus benachteiligten Familien, mit entwicklungsverzögerungen oder auch Waisenkindern, zugänglich. Für dieses „ausdifferenziertes System pädagogisch-didaktischer Materialien.“ (Osburg/Ada, 2017, S. 9) schätze ich die Arbeit von Maria Montessori sehr.


Wichtig zu wissen ist, dass Maria Montessori nicht ausschließlich Kinder aus benachteiligten Familien, Waisenkinder und Kinder mit entwicklungsverzögerungen unterrichtete. In der Casa dei Bambini waren alle Kinder willkommen, somit stand Inklusion schon zur damaligen Zeit, um 1907 bei ihr auf der Prioritätenliste ganz oben.


Die Materialien mit denen die Kinder arbeiten waren hochwertig und sollten so das Interesse der Kinder wecken.


Der pädagogische Ansatz ihres Systems stützt sich auf folgende Punkte:

  • Kinder haben eine natürliche Neugier und Interesse an einer Sache.


  • Kinder sind dazu in der Lage ihre Aufmerksamkeit so stark zu fokussieren, dass sie Raum und Zeit vergessen und sich voll in der Sache verlieren.

Maria Montessori spricht hier von der „Polarisation der Aufmerksamkeit“.

(Osburg, Vorlesung an der Hamburger Universität. 14.12.2016)


  • Kinder werden als vollwertiger Mensch mit ihrem Charakter geachtet.


  • Es wird bei der Kommunikation nicht zwischen Erwachsenen und Kindern differenziert, sei es bei alltäglichen Unterhaltungen oder beim Nutzen von Fachwörtern im Unterricht.


  • Der Fokus der Erziehung liegt darin, den Kindern ihre Selbsttätigkeit und Selbstständigkeit zuzutrauen und sie dabei bei ihrer Entfaltung zu unterstützen.


Diese Ansätze entsprechen meinem Verständnis von Pädagogik.

Ich bin der Meinung, dass das Lernklima ein hohen Wert bei der kognitiven Entwicklung eines Kindes hat. Je angenehmer und zwangloser die Lernsituation ist, desto leichter wird es dem Kind fallen, sich auf die Thematik einzulassen.

Somit geht dem einher, dass ein gutes System nicht sofort Erfolg bei der Erziehung verspricht. Die Lehrkraft ist ausschlaggebend mit ihrer Emphatie, ihrem Mitgefühl und ihrer Authentizität.


Gehen wir nun über zu einem weiteren neuerem Konzept: “made in Germany“:


Beatenberg Konzept


Schon in der Vorlesung von Prof. Dr. Osburg fiel mir die Beatenberg Schule auf, woraufhin ich die Website der Schule direkt als Favorit gespeichert hatte. Der Ansatz der Schule ist:


„Lehrer müssen die Kompetenzentwicklung jedes einzelnen Schülers als höchste Priorität setzten.“

(vgl. Müller, 2003, S. 2)


Es hört sich für mich selbstverständlich an, aber unter dem Gesichtspunkt, dass es circa 24 SuS in einer regulären Grundschulklasse sind, die ihre Priorität einfordern, ist dies nicht möglich. Einer Statistik zur Folge, werden SuS in heterogenen Klassen an regulären Schulen, nur fünf Stunden pro Jahr individuell vom ihrem/ihrer Lehrer*in betreut. (vgl. ebd., S.3)


„Die Heterogenität spielt die größte Herausforderung. Je mehr ein gemeinsames Kollektiv hinausgearbeitet wird, desto weiter entfernt man sich von der eigentlichen Aufgabe eines Lehrers.“ (ebd.)

Das System des Beatenberger Internats baut ihr komplettes Schulsystem auf dieser Heterogenität auf und schafft die Basis des gemeinsamen Lernens.


Es geht darum, auf einer persönlichen Bindung die Potentialentwicklung des SuS zu unterstützen und das als „Coach“ / „Medium“ (ebd.) - nichts als Lehrer*innen. Als Medium dient die Fachkraft zum Austausch, um die Neugierde zum Lernen in die gewünschte Bahn zu lenken. Die Neugierde steuert somit den Lernprozess von alleine und muss durch kleine Instruktionen vom Coach geführt werden.

Die Selbstorganisation wird gemeinsam reflektiert. Die Kinder werden zu selbstwirk-samen Persönlichkeiten „erzogen“. Wenn man dieses Wort überhaupt noch an dieser Stelle nutzen möchte.


Das Medium der Schule ist das Layout, (vgl. ebd., S.6) das als Grundriss die Lernerfolge dokumentiert und gleichzeitig reflektiert. Des Weiteren hat das Layout das Potential, Prognosen für weitere Lernerfolge in Aussicht zu stellen, wenn Coach und SchülerInnen es in einem persönlichen Austausch nutzen. Das System bietet somit die nötigen Prozesse, um eine optimale Entwicklung zu fördern. Letztlich ist das aufgeführte Motto: „Erfolg führt zu Erfolg“ in der Wirtschaft schon ein alter Hut.


Wieso ist es nicht schon längst als Leitfaden in Schulen angekommen?

Positive Erfolgserlebnisse müssen in Bildungssystemen gelebt werden, damit Mut und Selbstwirksamkeit gedeihen können. Je früher desto besser.



Sie ist eine staatlich anerkannte Grundschule mit den Jahrgangsstufen eins bis sechs, die im September 2001 gegründet wurde. Ich muss gestehen, dass ein großer Fan von Gerald Hüther bin. Das er in der Profilbeschreibung der evangelischen Schule in Berlin vorkam, war sehr vielsprechend.

 
Kurze Info, wieso ich Gerald Hüther so sehr schätze:


Er hat als Neurobiologe eine besondere Ansicht auf die pädagogische Arbeit. Er beschreibt die Entwicklung des menschlichen Gehirns und weist somit auf die nötigen Prozesse hin, die förderlich, zur optimalen Entwicklung, sind.


Das Schulsystem wirkt fernab dieser förderlichen Prozesse auf Kinder ein, sodass den Kindern ihre natürliche Neugierde und Wissensdurst genommen wird. Hüther spricht davon, dass Kinder „als geborene Entdecker“ (vgl. Hüther 2012, S.62) es lieben, ihre Neugierde (auszu)leben. Es liegt uns in den Genen, wissen zu wollen.


Ich kann jedem nur empfehlen, seine Sichtweise auf Erziehung und auch Schule im Buch „Jedes Kind ist hochbegabt: Die angeborenen Talente unserer Kinder“ zu vertiefen.


Letztlich ist es ein Armutszeugnis unseres heutigen Fortschrittes, das Schulen „Null-Bock“ -Generationen produzieren können. Aber jetzt, weiter im Text!


 

Die pädagogischen Leitlinien ähneln dem Leitlinien der Beatenberg Schule, nur das hier noch ein christlicher Ansatz hinzukommt:


Jedes Kind ist ein einmaliges Geschöpf Gottes.“

(vgl. Simon, 2022)


und die verahntwortung der „Erwachsenen“ sich nicht nur auf ihre fachliche und diaktische Kompetenzen reduzieren, sondern sie ganzheitlich als Vorbild für Weiterentwicklung in dem Schulsystem fungieren:Die Erwachsenen wollen Vorbild darin sein und mit gleicher Freude, Offenheit und Ernsthaftigkeit nachhaltig an der eigenen Entwicklung arbeiten, wie sie es den Schülerinnen und Schülern vermitteln“ (vgl. Simon, 2022)


Dies ist ein wichtiges und ausschlaggebend Merkmal dieser Schule. Wie bereits von mir betont, ist die Lehrkraft von hoher Bedeutung und wird hier mit ihrer Persönlichkeitsentwicklung, um Schulkonzept, mit eingefasst.

Was könnte mir als Kind ein Mensch beibringen, der von sich behauptet, dass

er/sie nach 30 - 40 Jahren Lebenserfahrung fertig sei, sich zu entwickeln?


Es gibt noch viele weitere Alternativen, die oft die gleichen Bausteine priorisieren, wie die oben aufgeführten Konzepte. Daraus lässt sich schließen, dass unser heutiges reguläres Schulsystem an dieser Stelle Nachholbedarf hat. Dabei kommen immer weitere Elemente noch hinzu, wie Inklusion, Integration und Diversität. Wenn das Bildungssystem nicht bald etwas ändert, werden meines Erachtens nach, die Alternativen zum neuen Standart.


Um diesen Blog in Kombination mit Gerhald Hüther´s Worten zum Abschluss zu bringen:


„Die Aufgabe von Erziehung kann es nur sein, jedem Kind eine Welt zu bieten, in der es Gelegenheit bekommt, möglichst viele[…] in seinem Gehirn angelegten Vernetzungsoptionen zu stabilisieren.
Das müsste eine Lebenswelt sein, in der es Freude daran hat, alles zu erkunden, zu entdecken, zu erforschen und zu lernen.

Ein solches Kind würde seine angeborene Entdeckerfreude und Gestaltungslust, seine Offenheit und seine Beziehungsfähigkeit auch nicht verlieren:“

(Hüther 2012, S. 95 ff.)




Literaturquellen:

Hüther, Gerhald/ Hauser, Uli: „Jedes Kind ist hoch begabt.“, Random House GmbH: München, 2012


Müller, Andreas: Sich dem Erfolg organisieren, In: Spirit of learning, 2003

Osburg, Claudia. Vorlesung. Universität Hamburg: 2017


Simon, Leanie (2022, 10. Oktober) Pädagogische Leitlinien. Evangelische Schule in Berlin. https://www.ev-schule-zentrum.de/impressum


Die Links zu den Websites, Persönlichkeiten und Buchempfehlungen befinden sich an gegebener Stelle, im Text.


Lern clean & train dirty

eure Yazz







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