AD(H)S- Erfindung oder Erkrankung?

Aktualisiert: 6. Juni



Vorab muss ich gestehen, dass mich das Thema AD(H)S persönlich sehr interessiert.

Mein Bewegungsdrang war schon seit dem Kleinkindalter sehr hoch im Vergleich zu anderen Kindern. Die Zeitspanne mich zu konzentrieren ist dahin gehend weit aus geringer als bei meinen Mitschülern gewesen und gewisse Fachbereiche, wie Grammatik und Rechtschreibung wurde auch mit vielen Lernen nicht besser, ganz im Gegenteil.

Heute als Pädagogin erlebe ich Kinder mit der selben Energie, nur werden sie mit Medikamenten ´behandelt´ oder bekommen, zu ihrem unkonzentrierten Verhalten, Diagnosen.

Wieso bekommen Kinder heutzutage „Diagnosen“ und ich damals nicht? Was ist passiert?

Drehen wir die Zeit 31 Jahre zurück, wo Coach Yazz noch süße fünf Jahre alt war:


Es kam meiner Mutter sehr gelegen, dass ich im Alter von fünf Jahren für eine leistungsorientierte Sportakrobatik-Gruppe entdeckt wurde. Das Training war vier bis fünf Mal in der Woche und dauerte zwischen drei bis vier Stunden. Zu den Trainingseinheiten kamen am Wochenende Turniere und Auftritte hinzu, die ebenfalls meinen Bewegungsdrang kompensierten.

Schulisch wurde mein Bewegungsdrang nicht sonderlich negativ aufgefasst. Im Zeugnis wurde immer nur von meiner „Lebhaftlichkeit“ gesprochen.

Was den Faktor Konzentration im Unterricht angeht, konnte ich mich nur bedingt auf eine Sache konzentrieren. Auch dies wurde im Zeugnis mit einem Kommentar: „lässt sich leicht und schnell ablenken“ vermerkt.


Letztlich bin ich beruflich meiner „Hippeligkeit“ gefolgt, habe gelernt mit ihr etwas positives zu Bewegen: nämlich anderen Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Zwischendurch kamen noch andere sportliche Errungenschaften dazu:

  • Schwarzgurte,

  • Meistergrad im Gōngfu,

  • Ninja Warrior bei RTL und

  • Ausbildungen wie z.B. bei der Fremdenlegion.

Ohne meinem Bewegungsdrang könnte ich nicht täglich zwischen 10-12 Stunden in Hamburg und Umgebung Menschen sportlich begleiten, weil mein Innerlicher Akku sonst nicht reichen würde. Und das seit Jahrzehnten.

Achso und eines noch zum Thema Konzentrieren: Nach 16 Semestern habe ich letztes Jahr auch mein Studium absolviert. Nicht sehr gut oder gut und es ist auch kein Master of…  geworden, aber ich habe die Zielgerade ist überschritten.


Das ich so ein hektisches Leben führe, ist nicht normal. Das muss ich zugeben.

Aber ist meine Bewegungsphilie eine Krankheit? Etwas was kuriert und genesen werden muss? Dem entgegengewirkt werden sollte, damit ich ein „normaleres“ Leben führen kann?

Was sagen Forscher eigentlich zu AD(H)S? Ich bin mal auf die Suche gegangen:

Forschunger haben herausgefunden, dass es zu Fehlkommunikationen von Nervenzellen im Frontalhirn kommen kann, wenn man untere „AD(H)S“ leidet.

Gehald Hüther beschreibt, wie diese Entwicklung bei Kindern stimuliert wird: Die Aktivierung der präfrontalen exekutiven Hirnfunktionen können durch Interaktionen in jungen Jahren stattfinden.

Das kann durch Empathie und einer Orientierung an Vorbildern passieren. Spricht man Kindern eigene Handlungsfreiräume, emotionale und soziale Bedeutsamkeiten zu, entwickeln Kinder automatisch eine Orientierung.

Hierfür kann ein Experiment zur Veranschaulichung helfen, warum dies so relevant ist, in der Entwicklung eines Kindes.

Ein Experiment namens „Marshmallow“. Wir kennen das Experiment aus der Überraschungs-Eier-Werbung. Das Experiment bezog sich auf einen Raum, indem ein Kind mit einer Süßigkeit (damals: Marshmallow) alleine gelassen wurde mit dem Hinweis das, wenn es die Süßigkeit 10 Minuten nicht anfassen würde, es am Ende eine Zweite bekäme. Die Werbung profiliert sich mit dem Ergebnis, dass die Süßigkeit unwiderstehlich sei und diese sofort gegessen werden müsste.

Im wahren Experiment ist das ein Zeichen für AD(H)S, da die Kinder, die ihre Handlung im Affekt nicht steuern konnten und die Süßigkeit aßen, die benachteiligten Kinder/ die „Kranken“ waren. Ihr Drang war höher als ihre Handlungsfähigkeit, es auszuhalten und zu warten.


Man untersuchte die Gruppe der Kinder, mit einer Folgestudie nach 25 Jahren. Die Kinder, die im Affekt handelten und keine Rücksicht auf die Folgen ihrer Handlung legten, führten ein ungesünderes, erfolgloseres und ungebildeteres Leben.


Die Kinder, die ihre Handlungsfolgen einschätzen konnten und warteten, führten ein gesünderes und erfolgreicheres Leben. Sie haben eine stärkere Stimulation im Frontalhin. Somit hat dies signifikante Auswirkungen auf das Leben. (Vgl. Hüther 2011)

Die präfrontalen exekutiven Hirnfunktionen sind die Bereiche, die eine höhere Stimulanz benötigen. Dies kann jedoch nur durch Interaktion geschehen. Dafür benötigt man Erwachsene, die Interesse an dem Kind haben. Menschen, die eine Authentizität besitzen und mit viel Empathie die Welt zusammen mit dem Kind entdecken.


Das die Fehlschaltungen im Kopf eines Kindes zu gewissen Symptomen führen, werden wohl für jeden nachvollziehbar sein. Jedoch ist fraglich, ob diese mit einem Betäubungsarznei, wie Ritalin, aus der Welt geschaffen werden kann.

Solche wesensverändernde Psychopharmaka in so jungen Jahren zu verabreichen, dessen heilende Wirkung nicht bestätigt werden können, sollten meiner Meinung nach transparenter öffentlich diskutiert werden.


Ritalin ist schon seit dem zweiten Weltkrieg sehr bekannt. Um Piloten im zweiten Weltkrieg gefügiger und fokussierte zu machen, hat man ihnen Pilotenschokolade gegeben, die mit Ritalin angereichert wurde. Sie machte die Piloten im Einsatz willenlos und erhöhte ihre Konzentrationsfähigkeit bei längeren Manövern.

Kinder die auf einmal diese Drogen nehmen, sind anders und weisen Veränderungen ihres Charakters auf. Es bricht mir teilweise das Herz, wenn ich lebendige und aktive Jungs und Mädchen erlebe, die plötzlich zu „Zombies“ auf dem Schulhof oder im Sport werden. Sie verlieren ihr Strahlen.


Des Weiteren bin ich erschrocken über die schlecht aufgeklärten Eltern. In der Vorlesung von Prof. Dr. Osburg haben wir in 90 Minuten kurze und umfangreiche Eindrücke zu Ritalin bekommen. Die Tatsache müsste doch jeder Mutter oder jeden Vater wachrütteln, als der Erfinder der Krankheit AD(H)S und Psychologe L. Eisenberg kurz vor seinem Tod zugab, dass AD(H)S eine fabriziert Erkrankung sei und somit nur erschaffen wurde, um der Pharmaindustrie einen hoheren Umsatz zu verschaffen. Doch ich bezweifle, das Ärzte sich hier die Mühe machen.

Fakte ist, dass im Jahr 1993 nur 34 Kg Ritalin (oder auch Methylphenidat) verkauft worden. Nach der neuen definierten Krankheit, dank L. Eisenberg, wurde im 2007 ungefähr 1,7 Tonnen verkauft. “In Deutschland (werden) jährlich mehr als 1.800 Kilogramm Methylphenidat verbraucht, das entspricht bei normaler Dosierung rund 60 Millionen Tagesdosen.“ (Vgl. Lehrerfreunde)

Da fehlen mir die Worte, wenn die Pharmaindustrie „Kinder-Junkies“ als Konsummasse in kauf nimmt, nur um noch mehr Geld zu machen!

Ich bin der Meinung, dass Symptome von AD(H)S wirklich existieren und ernstzunehmend sind. Ich folge dem Gedanken von G. Hüther, dass eine adäquate Stimulierung im Frontalhirn wichtig ist, um selbstregulierende Prozesse zu fördern. Ob die „Symptome“ des AD(H)S ein Sammelsurium für nicht „selbstregulierende Verhaltensmuster“ ist, empfinde ich als zu undifferenziert. Was jedoch plausibel erscheint, wenn man der Tatsache ins Auge blickt, dass es keine Krankheit AD(H)S gibt und somit auch nicht dieses Kollektiv an Symptomen. Ich bin ganz klar dagegen einem Kind ein Mittel zu verabreichen, das nachweislich keine Symptome heilt, sondern nur unterdrückt. (Vgl. Osburg. 2017)

Unser Gehirn ist an dieser Stelle zu intelligent und erkennt, dass Ersatzstoffe / Drogen oder Ersatz-Prozesse nicht zu einer Kompensation des fehlerhaften Organismus führen. Wahre Emotionen, wahre Emphatie, wahre Reflektion des Selbstbildes des Kindes, die aus motivierten Situationen mit Vorbildern entstehen können, werden so nicht ersetzbar sein. Ich erlebe im Sport, nach 15 Jahren Praxiserfahrung, nie dieselbe beschriebene Symptomatik eines Kindes, wie sie teilweise von Eltern, Ärzten oder Lehrern von dem jeweiligen Kind beschrieben wurde.

Ich erlebe lebendige Kinder, die Interesse daran haben, gesehen zu werden. Keines der Kinder sehnt sich nach einem iPad in meinem Training, ganz im Gegenteil: Wir alle sind traurig, dass die Zeit so schnell verging. Ich sehe Kinder, die entdecken und darüber berichten wollen. Ich fühle ihre Euphorie für Kleines, auch wenn die Sache für mich eventuell unbedeutend ist, spüre ich dank dem Kind, etwas ganz Besonderes, dem ich dann Aufmerksamkeit schenke. In ihrer Welt, wollen sie nicht stören oder nerven. Das sollten wir lernen und erkennen.

Zum Schluss lege ich meinen Bloglesern dieses YouTube Video ans Herz.

Es beschreibt zwar mehrere Handycaps von Kindern, doch die Aussage ist gleich: https://www.facebook.com/FreieMedien.2.0/videos/210662612678082/


Literaturquelle

Czerny, Sabine (2010) Was wir Kindern in den Schulen antun und wie wir das ändern können. München. Südwest Verlag.


Hüther, Gerald (2011): Lieber einen Sommer auf der Alm als ein Leben lang auf Ritalin, YouTube, [online] https://www.youtube.com/watch?v=O_t30BX7Duw

Hüther, Gerhald 2011/ YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=UMw-3K-6K9A [abgerufen am 20.05.2021]


Osburg, Claudia: Vorlesung am 18.01.2017. Universität Hamburg.

Saarländischer Rundfunk (2011): Ruhig gestellt und angepasst.

, [online] Hamburg://www.youtube.com/watch?v=UMw-3K-6K9A[ -[abgerufen am 20.05.2022]

Lehrerfreunde (2022); Methylphenidat - Verbrauch in Deutschland 1993-2013 [online] https://www.lehrerfreund.de/schule/1s/methylphenidat-verbrauch-deutschland-1993-2013/4229 .[abgerufen am 20.05.2022]

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