top of page

WO BIST DU, MOTIVATION?

Aktualisiert: 7. Mai 2023


Dieses Blogthema ist genauso banal wie genial, finde ich. Warum?

Es gibt nichts, was dir so sehr fehlen kann aber gleichzeitig kann es in Momenten, so ein Übermaß annehmen, dass es Raum und Zeit vollkommen verschwimmen lässt.


Mein Beruf hat jede Menge mit Motivation zu tun.

"Motivation ist eine notwendige Bedingung von Bildung und Erziehung“ (Schnotz, 2009:68). Der Lehrberuf (egal ob Coach, Pädagoge oder Gōngfu Meister) basiert auf der Fähigkeit Lernprozesse zu aktivieren, um Bildung und Erziehung zu vermitteln. Doch diese Prozesse lassen sich nicht auf die fachlichen Kenntnisse reduzieren, wie wir alle wissen.

Mich fasziniert das Thema schon seit dem Studium, ach... eigentlich schon mein ganzes Leben lang. Im Vergleich zu anderen, scheine ich immer sehr motiviert zu sein, sonst würde ich nicht so oft gefragt werden, woher ich diese ganze Motivation nehme. Aber wo kommt sie her, diese intrinsische Motivation?


Wenn es dir an Motivation im Leben fehlt, kann das ein fürchterliches Gefühl sein. Es kann blockieren, einschränken und dir die Lebensfreude nehmen.


Zu Beginn werde ich die unterschiedlichen Katalysatoren erläutern, die uns unsere Motivationen entfalten lassen. An dieser Stelle sei schon mal gesagt: Es gibt viele Wege nach Roma Motiva.

Danach erkläre ich Dir, die verschiedenen Motivationsarten. Mit dem Know-how kommst du dir selbst ein bisschen näher und kannst dich besser verstehen.

Welche Katalysatoren gibt es für die Motivation und was haben die mit Grundbedürfnissen zu tun?


Der Mensch besitzt angeborene Grundbedürfnisse. Je nach Wissenschaftler sind es mal mehr und mal weniger. Der Sozialpsychologe Abraham Maslow ist mit seiner Bedürfnishierarchie/ Bedürfnispyramide sehr bekannt und der Gründervater der humanistischen Psychologie geworden.

Er hat die Bedürfnisse nicht nur bestimmt, sondern auch nach ihrer Relevanz geordnet. Daher steckt in uns die natürliche Motivation, diese Bedürfnisse zu erfüllen.

Basierend auf der Bedürfnispyramide von Maslow (1968) haben die Wissenschaftler, Barlyne (1960), Deci und Ryan (1993) an einer Ausarbeitung der Neugierde oder Selbstbestimmung des Individuums gearbeitet, um die Arten der Motivation zu differenzieren.


Deci und Ryan fokussieren ihre Ausarbeitung auf die folgenden Grundbedürfnisse:

  1. Autonomie;

  2. Kompetenz;

  3. soziale Eingebundenheit.

Diese Punkte benötigen soziale Unterstützung, sprich: das Umfeld ist mitverantwortlich, diese Grundbedürfnisse zu befriedigen (Schnotz, 2009:99).

Dr. Hüther beschreibt diese Kombination von diesen Grundbedürfnissen wie folgt:

„Das Vermögen an Aufgaben zu wachsen und etwas bewirken zu können, nennen Psychologen Selbstwirksamkeit. Dann spürt das Kind: Ich bin wer. Ich kann was erreichen“ (Hüther, 2013:66)

Selbstbestimmung ist wie Benzin für den ˋMotivationsmotorˋ. So entsteht die eigene Rolle in der Gesellschaft, die Fähigkeit etwas beitragen zu können und somit Resonanzen zu entwickeln. Sie gehören zu unseren Grundbedürfnissen, welche gestillt werden wollen. Das wir ohne Perspektive auf Selbstwirksamkeit motivationslos sind, versteht sich ab sofort von selbst.

Demnach benötigst du bei allem, was du machst, einen gewissen ˋRaumˋ für dich, der dir einen Platz für deine Rolle gibt, deine Fähigkeiten repräsentiert und dich interagieren lässt. Dabei ist es ausschlaggebend, dass deine Fähigkeiten wirklich deine Persönlichkeit widerspiegeln. Dein Handeln sollte eine Wirkung auf dein Umfeld haben, dass für dich von Bedeutung ist. Wenn einer dieser Punkte nicht erfüllt ist, kann die Motivation ins Stocken kommen.


Solltest es dir an Motivation fehlen deinen Traumjob/-studium/-lebensinhalt zu verwirklichen, kann ich Dir an dieser Stelle einen kleinen Tipp geben. Auch ich war mal in einem Motivationsloch und habe mich im Leben, bevor SelfDefense Hamburg gegründet wurde, hingesetzt und mir diese drei Fragen gestellt:


  1. Mit wem will ich zu tun haben, wann und wo?

  2. Was kann ich besonders gut? / Welche Handlungen möchte ich teilen, da sie mich und andere glücklich machen?

  3. Was muss ich noch lernen, damit dies funktioniert?


Daraufhin hat sich mein Leben geändert, da ich motiviert war dieses neue Leben zu führen. Ich habe mein Studium abgebrochen, habe eine Ausbildung angefangen und folgend Self-Defense Hamburg gegründet. Alles, was ich damals aufgeschrieben habe, setzte ich noch heute motiviert um. Da ich weiß, welche Grundbedürfnisse und Prioritäten ich besitze, bleibt meine Motivation eine stetige Begleiterin.


Ein weiterer Katalysator für Motivation ist die Neugierde. Die Neugier löst eine Orientierungsaktivität in einem Individuum aus.

Durch Verwirrung, Verunsicherung oder Ratlosigkeit wird die Orientierungsaktivität verstärkt. Neugierde sorgt also für das Grundbedürfnis der Sicherheit. Ohne Neugierde würden wir weiterhin in der Verwirrung, Verunsicherung und Ratlosigkeit verharren, was uns auf allen Ebenen schaden kann. Demzufolge leistet Neugierde den Grundbaustein der Weiterentwicklung eines Individuums (vgl. Schnotz, 2009:99).

Es gibt aber auch "Gegenspieler" zur Neugierde: die Trägheit. Sie gaukelt einem vor, dass die schlechte, verwirrte, unsichere Situation eine Form von Sicherheit ausstrahlt. Die Neugierde wird als "böse Veränderung" wahrgenommen. Daher bleiben Menschen oft in:

  • einem unausstehlichen Job;

  • einer lieblosen Beziehung;

  • einem kraftzerrenden Umfeld.


Es ist doch verwunderlich, dass die naturgegebene und motivierende Neugierde so einen starken Gegner hat. Ich habe so eine Wahrnehmung auch bei mir erlebt. Es ist ein schleichender Prozess, wenn sich die Neugierde abbaut und man immer mehr in diese toxische Spirale verfällt.

Was mich daraus gebracht hat, waren die stetigen Impulse von außen. In kleinen Schritten sollte man den festgefahrenen Alltag aufbrechen und Neues ausprobieren, um die Neugierde zu reaktivieren:


  • einen anderen Weg nach Hause nutzen

  • alte Freunde kontaktieren, die man lange nicht gehört hat

  • neue Sportarten ausprobieren (wenn auch online)

  • ins Café gehen und dort eine Zeitschrift lesen, die man zuvor noch nie gelesen hat

  • alleine ins Kino gehen

  • alleine Reisen, Kurstrips

  • etwas neues Lernen, z.B. eine Sprache


All das bringt kleine Unsicherheit mit sich und führt dazu, dass die Orientierungsaktivität eingeschaltet wird. Die Neugierde ist dabei automatisch mit im Gepäck.


Wo ist der Unterschied zwischen fremdbestimmte- und selbstbestimmte Motivation?


Weitere Motive des menschlichen Handelns, können soziale und leistungsorientierte sein. Soziale Motive zielen auf die Anerkennung und der wechselseitigen Bindung mit Anderen ab. Die zuvor erklärte Neugierde kann durch das soziale Motiv (alte Freunde, Reisen etc.) wieder entfacht werden. Heckhausen (1977) beschreibt diese auch als „Anschlussmotiv“. Das gemeinsame Handeln besitzt eine motivierende Wirkung. Gut zu beobachten ist dies im Training, wenn Partnerübungen gemacht werden. Zum Beispiel bei "abwechselnden Liegestützen" schafft jede/r zwei bis drei Liegestütze mehr, da man zu seine/n Trainingspartner/in nicht den Anschluss verlieren mag.

Weitere soziale Motive stecken in Konzerten, Theaterstücken und Musicals. Die Wechselwirkung zwischen Publikum und Darstellern ist eine Wechselwirkung, die sehr belebend und motivierend ist. Sonst würde der Part der "Standing-Ovation" keinen Sinn ergeben, nicht wahr?


Heckhausen differenziert noch weitere Motivationsschemata im sozialen Sektor (vgl., ebd.:99). Ein Bewertungssystem, welches die Handlungen kategorisiert und damit zur Optimierung zwingt, nennt Heckhausen „Leistungsmotivation“. Hier entwickelte sich nach Dweck (1985) einerseits die Zielsetzung seine Fähigkeiten zu optimieren (mastry orientation) und andererseits, die Fähigkeiten der andere zu übertreffen (performence orientation). Die "Ellenbogengesellschaft" ist eine Entwicklung aus dieser Motivation heraus.

Dabei kommt ein weiterer wichtiger Punkt der Motivationsdifferenzierung hinzu, die der fremdbestimmten (extrinsischen) und selbstbestimmten (intrinsischen) Motivation. Nach Deci und Ryan 2002 entstanden demzufolge Regulationstufen:


Die Auslegung der intrinsischen und extrinsischen Motivation ist jedoch „kein fundamentaler Gegensatz.“

(Schnotz, 2009:101). Es ist eher der Abbau eines selbstbestimmten Handelns in Richtung des fremdbestimmten Handelns. Die oben genannte "Ellenbogengesellschaft" ist eine stark extrinsisch orientierte Motivation (roter Bereich) und kann durch Selbstreflektion und Selbstwirksamkeit in Richtung der intrinischen Motivation (grüner Bereich) entwickelt werden. Das sind die Entwicklungen bei Menschen, die sich aus dem System herauslösen und "ihr eigenes Ding" machen, ein eigenes Unternehmen gründen. Das Unternehmen entsteht außerhalb der Konkurrenz, da es die persönliche Selbstwirksamkeit repräsentiert (hier eine kleine Buchempfehlung: "Frag immer erste: Warum"-Simon Sinek).

Das wird auch der Grund sein, warum es auf dem heutigen Wirtschaftsmarkt einen regelrechten Boom von "Start-Ups" gab. Sie alle haben eine starke intrinsische Motivation ihre Fähigkeiten stets nach ihrer Selbstwirksamkeit auszurichten.


Je weiter die Motivation im "grünen Bereich" ist, desto mehr entsteht ein Gefühl, dass sich die eigenen Grundbedürfnisse entfalten können.

Der Wissenschaftler Csikzentmihalyi spricht bei dieser optimalen Gegebenheit der intrinsischen Motivation vom „Flow“ (vgl. Schnotz, 2009:100).

„Eine extreme Ausprägung intrinsisch motivierten Handelns ist dann gegeben, wenn das Individuum völlig freudig in einer komplexen Tätigkeit aufgeht und den räumlichen und zeitlichen Kontext seines Handelns vergisst oder nur noch eingeschränkt wahrnimmt.“

Die ZockerInnen und Freelancer-Workaholics unter uns, kennen diesen Zustand nur zu gut ;) Die Schwierigkeit darin besteht, das Gefühl auf weitere Ebenen im Leben zu entfalten.


Ich kenne diesen Flow-Zustand aus mehreren Momenten. Nicht nur vom "Zocken" und "Arbeiten", sondern auch wenn ich:

  • kreativ arbeite

  • mit Freunden spreche

  • Musik höre

  • meditiere

  • Gōngfu unterrichte

  • irgendwo auf der Welt mit einem Rucksack umherlaufe

Du kennst bestimmt noch weitere Momente, z.B. beim Lesen, Joggen, Fußball gucken, Gartenarbeit, Gassi gehen u.v.m.

Wenn wir zurück zum Lehrberuf gehen, sollte die Tätigkeit eines Pädagogen auf die Selbstwirksamkeit des Kindes abzielen. Wie es Gerald Hüther zusammenfassend zitiert:

„Nur unter dem einfühlsamen Schutz und der kompetenten Anleitung durch Erwachsene Vorbilder, können Kinder ihre eigenen Fähigkeiten erkennen und weiterentwickeln. Nur so kann im Frontalhirn ein eigenes, inneres Bild von Selbstwirksamkeit stabilisiert und für die Selbstmotivation in allen nachfolgenden Lernprozessen genutzt werden.“

Für Erwachsene ist dies gleichzusetzten. Sobald wir mit anderen interagieren und das heißt nicht, dass wir Menschen auf ihren Mehrwert reduzieren, sie übertreffen wollen oder sie durch Belohnen und Bestrafen domestizieren, sondern uns auf Augenhöhe begegnen, die gemeinsame Wirksamkeit respektieren und wertschätzen, kommt unsere Motivation von ganz alleine.


Sportliche Grüße

Yazz


Literaturquelle:

Abraham H. Maslow (1968). Toward a psychology of being. D. van Nostrand.


Edward L. Deci & Richard M. Ryan (2002): Selfdetermination reseach: Reflectopns and future direction. In: Handbook of self-determination reseach. University of Rochester Press.


Gerhald Hüther (2013). Jedes Kind ist hochbegabt. Btb.


Heinz Heckhausen (1974). Motivationsanalyse. Springer-Verlag


Wolfgang Schnotz (2009). Pädagogische Psychologie kompakt. Beltz.

.

98 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments


bottom of page